Zwischen Himmel und Hauswand

Malta erleben und verstehen
Von Rüdiger Lohmann
20250626

Meine Liebeserklärung startet mit einer kurzen Urlaubsreise. Eine Reise auf eine kleine Insel, die Vielen bereits bekannt sein dürfte. Mich hat ein Aspekt dieser kleinen Inselgruppe im Mittelmeer, zwischen Sizilien und der nordafrikanischen Küste besonders berührt.

Die maltesischen „Galeriji“, diese bunten teils aufwendig oder auch puristisch gestalteten Holzbalkone,
schweben wie kleine Bühnen über den Straßen und Gassen. Oftmals in lebendigen Farben wie türkis, tiefblau,
sonnengelb, weinrot, olivgrün oder in einem satten dunklem Holzton, verleihen Sie wie bunte Kleider den
sandsteinfarbenen Gebäuden ein besonderen Flair. Beweisen Charakter, wenn der Wind die alten Holzrahmen
zum Knarren bringt und bei leicht geöffnetem Fenster ein Vorhang sich zur Straße hinaushebt.
Die Galeriji stammen größtenteils aus dem 17. Jahrhundert und waren weit mehr als eine reine Zierde: sie
schützen damals wie heute vor Sonne, Wind – und neugierigen Blicken.
Vor allem Frauen nutzten Sie zur Zeit des osmanischen Reiches und auch in späterer Zeit, um ein wenig am
Leben „draußen“ teilhaben zu können, ohne selbst „draußen“ zu sein. Ein leises Fenster zur Welt, welches meist
nur Platz für ein bis zwei Sitzgelegenheiten bot, hinter Holz und Glas und einem Vorhang. Ich stelle mir vor, wie
dort auch gelacht, getuschelt und gestritten wurde. Oder neidvolle Blicke hinunter zur Straße, zum Nachbarn
vorborgen wurden. Bestimmt richteten die Mädchen und Frauen auch sehnsuchtsvolle Blicke gen Himmel –
denn die engen Gassen und Straßen boten nicht viel Platz. Meist endete der Ausblick vor der Hauswand des
Nachbarn. Diese (ein-)engende Bauweise sorgt in den heißen Monaten für Schatten und Luftzug, was eine
Erleichterung gewesen sein muss in Zeiten ohne Klimaanlage oder Ventilator.
Und dann sind da noch die Türen! Massiv. Stolz. Genauso bunt wie die Balkone über ihnen. Mit Klopfern in
Form von Fischen, Delfinen, Löwenköpfen oder Malteser- oder Amalfikreuzen – ein achtspitziges Kreuz und
nationales Symbol Maltas! Diese Türen scheinen auch die jeweiligen persönlichen Vorlieben der Bewohner
widerzuspiegeln: bunt, lebensbejahend und mit Liebe zum Detail gefertigt. Türen sollen mal Schutz bieten,
abgrenzen oder Verbindungen schaffen. Diese bunten Türen aber sind etwas Besonderes: sie scheinen dazu
einzuladen, anzuklopfen und zu entdecken, was hinter ihnen steckt. Was für Menschen hinter diesen Türen ihre Wohnung haben, wie diese wohl ausschaut? Auch bunt oder ehr puristisch-elegant?

Nutzen die Bewohner die Galerien über den Türen noch oder sind sie nur noch ein schönes Detail außen am Gebäude? Und natürlich klopfe ich nicht an auch nur eine dieser Häuser an – aus Respekt, die Bewohner in Ihrem Alltag nicht zu stören und somit in einen höchst privaten Bereich als Fremde einzudringen.

Zurück in der eigenen Heimat fehlt mir die charmante Leichtigkeit, die diese „schwebenden“ Balkone und
bunten Türen in Valetta, Mdina, Victoriossa oder Marsaxloxx ausstrahlen. Sie machen das Leben in diesen
Städten und Dörfern ganz einfach ein wenig bunter!
Quellen:Quellen: Eigene Fotos, Wikipedia (Erläuterungen zu den Galeriji und dem Malteserkreuz Maltas), maltaladen.de, Touristikverband Malta mit der Internetsite VisitMalta sowie Gesprächen mit Passanten und Tourguides auf der Insel.